
Am 18. Oktober 1356 erschütterte ein gewaltiges Erdbeben die mittelalterliche Stadt Basel. Häuser stürzten ein, Kirchen wurden schwer beschädigt und Brände verwüsteten Teile der Stadt. Mit einer geschätzten Magnitude von 6,6 gilt dieses Ereignis bis heute als das stärkste historisch dokumentierte Erdbeben der Schweiz. Mehr als 670 Jahre später stellt sich eine beunruhigende Frage: Könnte sich eine solche Katastrophe wiederholen? Und welche Folgen hätte ein vergleichbares Erdbeben für eine moderne Schweizer Grossstadt? Ein Blick auf die Geschichte, die Geologie und die aktuellen Risikomodelle liefert überraschende Antworten.
Was geschah beim Erdbeben von Basel am 18. Oktober 1356?
Der 18. Oktober 1356 begann für die Bewohner von Basel zunächst wie ein gewöhnlicher Herbsttag.
Die Stadt war damals ein bedeutender Handelsplatz am Rhein und zählte ungefähr 6'000 Einwohner.
Im Laufe des Tages wurde die Region jedoch von mehreren Erdstössen erschüttert.
Nach den historischen Rekonstruktionen des Schweizerischen Erdbebendienstes begann die Erdbebensequenz bereits um die Mittagszeit.
Gegen 18 Uhr ereignete sich eine stärkere Erschütterung, die erste Schäden an Gebäuden verursachte.
Viele Einwohner verliessen daraufhin ihre Häuser und hielten sich im Freien auf.
Doch das eigentliche Hauptbeben stand noch bevor.
Das Hauptbeben gegen 22 Uhr
Am späten Abend, gegen 22 Uhr, traf das stärkste Erdbeben der gesamten Sequenz die Stadt.
Seine Magnitude wird heute auf ungefähr 6,6 geschätzt.
Die Erschütterungen waren so heftig, dass zahlreiche Gebäude beschädigt wurden oder teilweise einstürzten.
Kirchen, Klöster, Wohnhäuser und Teile der Stadtbefestigung waren betroffen.
Auch das Basler Münster erlitt schwere Schäden.
Besonders verheerend waren die Brände, die nach dem Erdbeben ausbrachen.
In einer mittelalterlichen Stadt mit zahlreichen Holzkonstruktionen, offenen Feuerstellen und leicht brennbaren Dachmaterialien konnten sich die Flammen schnell ausbreiten.
Die Schäden durch die Brände verstärkten die Zerstörungen des eigentlichen Erdbebens erheblich.
Wie viele Menschen starben damals?
Die genaue Zahl der Todesopfer lässt sich heute nicht mehr zuverlässig bestimmen.
Historische Berichte sind unvollständig und enthalten teilweise widersprüchliche Angaben.
Der Schweizerische Erdbebendienst geht jedoch davon aus, dass die Zahl der Opfer im Verhältnis zum Ausmass der Zerstörungen vergleichsweise gering blieb.
Ein möglicher Grund waren die vorausgegangenen Erdstösse.
Viele Menschen hatten ihre Häuser bereits verlassen, bevor das stärkste Beben auftrat.
Die Stadt wurde dennoch schwer getroffen und benötigte eine lange Zeit für den Wiederaufbau.
Wie stark war das Erdbeben von Basel wirklich?
Die geschätzte Magnitude von 6,6 macht das Ereignis zu einem aussergewöhnlich starken Erdbeben für Mitteleuropa.
Zum Vergleich: Ein Erdbeben der Magnitude 6 setzt ungefähr 32-mal mehr Energie frei als eines der Magnitude 5.
Die Magnitudenskala ist logarithmisch. Schon relativ kleine Unterschiede zwischen zwei Magnituden entsprechen deshalb erheblichen Unterschieden bei der freigesetzten Energie.
Allerdings wurde das Erdbeben von 1356 nicht mit modernen Instrumenten gemessen.
Seismografen existierten damals noch nicht.
Die heutige Magnitudenschätzung beruht auf historischen Quellen, archäologischen Befunden und wissenschaftlichen Modellen.
Forscher untersuchen beispielsweise, welche Gebäude beschädigt wurden, wie weit die Erschütterungen wahrgenommen wurden und welche Intensitäten sich daraus rekonstruieren lassen.
Diese Informationen erlauben eine Abschätzung der Stärke, sind jedoch mit grösseren Unsicherheiten verbunden als die Messungen moderner Erdbeben.
Magnitude und Intensität sind zwei verschiedene Dinge
Die Magnitude beschreibt die Grösse des Erdbebens an seiner Quelle.
Die Intensität gibt dagegen an, wie stark die Erschütterungen an einem bestimmten Ort wahrgenommen wurden und welche Auswirkungen sie hatten.
Ein einzelnes Erdbeben besitzt daher eine Magnitude, kann aber an verschiedenen Orten unterschiedliche Intensitäten erreichen.
Die lokale Wirkung hängt von der Entfernung zur Bruchzone, der Herdtiefe, dem Untergrund und den Gebäuden ab.
Wer diese Unterschiede genauer verstehen möchte, findet auf Quake Pulse einen ausführlichen Beitrag über Magnitude, Tiefe und Erschütterung bei Erdbeben.
Gerade für historische Katastrophen ist diese Unterscheidung wichtig, denn die Schäden liefern oft die entscheidenden Hinweise für wissenschaftliche Rekonstruktionen.
Warum gibt es in Basel überhaupt Erdbeben?
Die Schweiz liegt nicht direkt an einer grossen aktiven Plattengrenze wie beispielsweise Japan oder Chile.
Trotzdem wirken auch in Mitteleuropa tektonische Spannungen auf die Erdkruste.
Diese Spannungen hängen unter anderem mit der grossräumigen Bewegung der afrikanischen und eurasischen Platten sowie der geologischen Entwicklung der Alpen zusammen.
Basel befindet sich zudem an einer besonders interessanten Stelle: am südlichen Ende des Oberrheingrabens.
Der Oberrheingraben als tektonische Schwächezone
Der Oberrheingraben ist eine langgestreckte geologische Struktur, die sich von der Region Basel weit nach Norden erstreckt.
Seine Entstehung begann vor mehreren zehn Millionen Jahren.
Damals wurde die Erdkruste in dieser Region gedehnt, sodass Teile des Untergrunds entlang von Störungen absanken.
Dabei entstand ein System von geologischen Bruchflächen.
Einige dieser Strukturen können auch heute noch auf tektonische Spannungen reagieren.
Wenn sich ausreichend Spannung aufgebaut hat, kann eine plötzliche Verschiebung entlang einer Störung ein Erdbeben auslösen.
Der Basler Raum gehört deshalb zu den seismisch bedeutendsten Regionen der Schweiz.
Nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes weist die Umgebung von Basel nach dem Wallis die zweithöchste regionale Erdbebengefährdung des Landes auf.
Das historische Ereignis von 1356 ist jedoch kein Hinweis darauf, dass sich ein vergleichbares Erdbeben in regelmässigen, genau vorhersagbaren Abständen wiederholen muss.
Wie häufig gibt es Erdbeben in der Schweiz?
Die Schweiz ist seismisch aktiver, als viele Menschen vermuten.
Jedes Jahr registriert der Schweizerische Erdbebendienst zahlreiche Erschütterungen im Land und in den angrenzenden Regionen.
Die meisten bleiben so schwach, dass sie ausschliesslich von Messinstrumenten erfasst werden.
Andere Erdbeben sind deutlich spürbar, verursachen aber nur selten ernsthafte Schäden.
Mehr als 1'800 registrierte Erdbeben im Jahr 2025
Nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes wurden im Jahr 2025 etwas mehr als 1'800 Erdbeben in der Schweiz und im grenznahen Ausland registriert.
Damit war 2025 das bis dahin zweitaktivste Jahr seit Beginn der entsprechenden systematischen Aufzeichnungen.
Das stärkste Ereignis des Jahres ereignete sich am 21. Juli nahe Mürren im Berner Oberland.
Es erreichte eine Magnitude von 4,2 und wurde in der Umgebung deutlich wahrgenommen.
Insgesamt wurden 28 Erdbeben mit einer Magnitude von mindestens 2,5 registriert.
Diese Zahl lag leicht über dem langjährigen Durchschnitt.
Die hohe Gesamtzahl der Ereignisse war allerdings teilweise auf mehrere Erdbebenschwärme zurückzuführen.
Solche Schwärme bestehen aus zahlreichen Erschütterungen innerhalb eines begrenzten Zeitraums und Gebietes.
Viele registrierte Erdbeben bedeuten deshalb nicht automatisch, dass ein besonders starkes Erdbeben unmittelbar bevorsteht.
Für eine geografische Übersicht bietet Quake Pulse eine Seite über die Erdbeben in der Schweiz.
Dabei ist zu beachten, dass der internationale USGS-Datensatz von Quake Pulse nur einen kleinen Teil der schwachen Schweizer Lokalereignisse enthält. Für vollständige nationale Auswertungen ist der Katalog des Schweizerischen Erdbebendienstes massgeblich.
Welche Regionen der Schweiz sind am stärksten erdbebengefährdet?
Die Erdbebengefährdung ist innerhalb der Schweiz unterschiedlich verteilt.
Nach den Modellen des Schweizerischen Erdbebendienstes weist das Wallis die höchste Gefährdung auf.
Danach folgen der Raum Basel, Graubünden, das St. Galler Rheintal und die Zentralschweiz.
| Region | Relative Erdbebengefährdung | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Wallis | Landesweit am höchsten | Aktive Störungen innerhalb der Alpen |
| Basel | Sehr hoch im Schweizer Vergleich | Südliches Ende des Oberrheingrabens |
| Graubünden | Erhöht | Alpine Störungszonen |
| St. Galler Rheintal | Erhöht | Tektonische Strukturen im Alpenraum |
| Zentralschweiz | Regional erhöht | Komplexe alpine Geologie |
Diese Einordnung beschreibt die langfristige seismische Gefährdung und stellt keine Rangliste der jährlich registrierten Erdbeben dar.
Das Wallis: die aktivste Gefährdungsregion
Das Wallis liegt im südwestlichen Alpenraum und wird von verschiedenen aktiven Störungszonen durchzogen.
Die Region besitzt eine lange Geschichte stärkerer Erdbeben.
Besonders bekannt sind das Erdbeben von Visp im Jahr 1855 und das Ereignis von Sierre im Jahr 1946.
Beide verursachten erhebliche Schäden.
Die tektonischen Bewegungen in den Alpen sind bis heute nicht vollständig abgeschlossen.
Auch wenn das Gebirge auf menschlichen Zeitskalen stabil erscheint, finden weiterhin langsame Deformationen innerhalb der Erdkruste statt.
Graubünden und das St. Galler Rheintal
Auch in Graubünden und im St. Galler Rheintal werden regelmässig Erdbeben registriert.
Die alpine Geologie ist durch zahlreiche Störungszonen gekennzeichnet.
Ein Beispiel für die lokale Datenerkundung bietet die Seite über Erdbeben in der Nähe von Wildhaus.
Wildhaus liegt im Kanton St. Gallen, in einer Region, die sich für die Untersuchung der regionalen Erdbebenaktivität eignet.
Die Quake-Pulse-Seite ermöglicht einen Vergleich von Ereignissen innerhalb verschiedener Entfernungsradien.
Eine solche Darstellung dient der geografischen Einordnung. Sie ersetzt keine offizielle lokale Gefährdungskarte und lässt keine Vorhersagen über künftige Erdbeben zu.
Wie gefährlich wäre das Basler Erdbeben von 1356 heute?
Diese Frage wurde vom Schweizerischen Erdbebendienst im Rahmen des nationalen Erdbebenrisikomodells untersucht.
Das Modell wurde 2023 veröffentlicht und verbindet Informationen über die Erdbebengefährdung, den lokalen Untergrund, die Gebäude und die betroffene Bevölkerung.
Die Wissenschaftler berechneten unter anderem ein Szenario, bei dem sich ein Erdbeben der Magnitude 6,6 in der Nähe von Basel wiederholt.
Die Ergebnisse zeigen, welche enormen Folgen ein solcher Vorfall unter heutigen Bedingungen haben könnte.
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| Mögliche Folgen | Modellschätzung |
|---|---|
| Magnitude des Szenarios | 6,6 |
| Todesopfer | Rund 3'000 |
| Verletzte | Rund 21'000 |
| Beschädigte Gebäude in der Schweiz | Rund 80'000 |
| Schäden an Gebäuden | Rund 45 Milliarden CHF |
Diese Werte stammen aus einem wissenschaftlichen Szenario des Erdbebenrisikomodells 2023.
Sie stellen keine Vorhersage und auch keine exakte Berechnung der Folgen eines zukünftigen Ereignisses dar.
Die tatsächlichen Auswirkungen würden unter anderem vom Ort und Verlauf der Bruchzone, den Bodenverhältnissen, der Tageszeit und der Gebäudenutzung abhängen.
Warum wären die Schäden heute so gross?
Basel ist inzwischen Teil einer dicht besiedelten, grenzüberschreitenden Wirtschaftsregion.
Viele Menschen leben und arbeiten auf vergleichsweise engem Raum.
Hinzu kommen Verkehrsinfrastrukturen, Spitäler, Industrieanlagen und zahlreiche Gebäude unterschiedlicher Baujahre.
Selbst wenn moderne Konstruktionen besser gegen Erdbeben geschützt sein können als mittelalterliche Häuser, ist die Anzahl potenziell betroffener Menschen und Sachwerte heute wesentlich grösser.
Ausserdem wurden zahlreiche bestehende Gebäude errichtet, bevor moderne Anforderungen an die Erdbebensicherheit eingeführt wurden.
Je nach Tragwerk und Bauzustand können solche Gebäude erhebliche Schwachstellen aufweisen.
Das Risikomodell berücksichtigt deshalb nicht nur die Stärke des möglichen Erdbebens, sondern auch die Verletzbarkeit der Bauwerke.
Wie wahrscheinlich ist ein weiteres starkes Erdbeben in Basel?
Der Schweizerische Erdbebendienst schätzt, dass ein Erdbeben von vergleichbarer Stärke in der Region Basel im langfristigen statistischen Mittel etwa alle 2'000 bis 2'500 Jahre zu erwarten ist.
Diese Aussage wird manchmal missverstanden.
Sie bedeutet nicht, dass sich ein solches Erdbeben exakt alle 2'000 Jahre wiederholt.
Ebenso wenig beginnt nach dem Ereignis von 1356 eine feste Frist, an deren Ende zwangsläufig eine neue Katastrophe stehen müsste.
Die tektonischen Prozesse sind wesentlich komplexer.
Warum kann man den Zeitpunkt nicht berechnen?
Erdbeben entstehen durch die Freisetzung von Spannungen entlang geologischer Störungen.
Die Belastung der Störungen verändert sich über sehr lange Zeiträume.
Dabei spielen unter anderem die Eigenschaften der Gesteine, die Geometrie der Bruchflächen und die Wechselwirkungen mit benachbarten Störungen eine Rolle.
Wissenschaftliche Modelle können Wahrscheinlichkeiten abschätzen, aber den exakten Zeitpunkt einer zukünftigen Ruptur nicht bestimmen.
Deshalb gilt auch für Basel: Ein starkes Erdbeben ist möglich, aber es gibt keine wissenschaftlich zuverlässige Methode, um seinen Eintritt für ein bestimmtes Datum vorherzusagen.
Warum sind oberflächennahe Erdbeben besonders gefährlich?
Viele schadenverursachende Erdbeben entstehen in relativ geringer Tiefe.
Als oberflächennahe oder flache Erdbeben werden in der internationalen Seismologie üblicherweise Ereignisse mit einer Herdtiefe von weniger als 70 Kilometern bezeichnet.
Bei einer geringen Tiefe können die seismischen Wellen nahe der Quelle starke Bodenbewegungen auslösen.
Tiefere Ereignisse können dagegen über grosse Entfernungen spürbar sein, ohne in der unmittelbaren Umgebung zwangsläufig vergleichbar starke Erschütterungen zu verursachen.
Die tatsächlichen Auswirkungen hängen aber zusätzlich von zahlreichen weiteren Faktoren ab.
Wer verschiedene Ereignisse nach ihrer Herdtiefe vergleichen möchte, kann den Quake-Pulse-Explorer für flache Erdbeben verwenden.
Dort werden Erdbeben anhand einer beschreibenden Tiefenklasse gefiltert und mit ihren wichtigsten Messwerten dargestellt.
Für die Einschätzung eines konkreten Gebäuderisikos sind jedoch zusätzliche lokale Untersuchungen notwendig.
Warum unterscheidet sich das Erdbebenrisiko zwischen Basel, Zürich und Genf?
Eine Region mit einer hohen Erdbebengefährdung muss nicht automatisch das höchste Schadensrisiko besitzen.
Die Gefährdung beschreibt, wie häufig und wie stark bestimmte Erschütterungen an einem Ort auftreten könnten.
Das Risiko berücksichtigt zusätzlich die Anzahl der betroffenen Menschen, die vorhandenen Sachwerte und die Verletzbarkeit der Gebäude.
Deshalb kann eine dicht besiedelte Stadt mit einer mittleren Gefährdung ein höheres Gesamtrisiko aufweisen als eine dünn besiedelte Gebirgsregion mit grösserer seismischer Aktivität.
Nach dem Schweizer Erdbebenrisikomodell gehören Basel, Genf, Zürich, Luzern und Bern zu den Städten mit dem höchsten Risiko.
Basel nimmt dabei aufgrund seiner Gefährdung und der vorhandenen Bebauung eine besondere Stellung ein.
Auch der Untergrund spielt eine Rolle
Gebäude auf festen Felsformationen können sich bei einem Erdbeben anders verhalten als Bauwerke auf weichen Sedimenten.
Bestimmte Bodenarten können einzelne Frequenzen der seismischen Wellen verstärken.
Auch die Dauer der Erschütterungen kann durch die geologische Struktur beeinflusst werden.
Deshalb sind lokale Bodenuntersuchungen für die Planung erdbebengerechter Gebäude von grosser Bedeutung.
Eine nationale Erdbebenkarte liefert wichtige Orientierung, ersetzt aber keine detaillierte geotechnische Untersuchung eines konkreten Baugrundstücks.
Wie gut sind Schweizer Gebäude auf starke Erdbeben vorbereitet?
Die Schweiz verfügt über technische Normen und Empfehlungen für das erdbebengerechte Bauen.
Eine wichtige Rolle spielen die Tragwerksnormen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA).
Sie dienen als Grundlage dafür, Gebäude so zu planen, dass sie seismischen Belastungen angemessen widerstehen können.
Dabei geht es nicht darum, sämtliche Bewegungen oder Schäden zu verhindern.
Das zentrale Ziel ist, die Sicherheit von Menschen zu gewährleisten und das Risiko eines Gebäudeeinsturzes zu reduzieren.
Die Herausforderung älterer Gebäude
In Schweizer Städten gibt es zahlreiche historische Gebäude und Konstruktionen aus Zeiten, in denen die Erdbebensicherheit bei der Planung noch eine geringere Rolle spielte.
Besonders bestimmte Mauerwerksbauten können bei starken seitlichen Belastungen verletzlich sein.
Eine nachträgliche Verbesserung ist möglich, erfordert jedoch eine fachliche Untersuchung.
Je nach Gebäude können beispielsweise Wände verstärkt, Bauteile besser miteinander verbunden oder zusätzliche aussteifende Elemente eingebaut werden.
Auch nichttragende Bauteile sind wichtig.
Unzureichend befestigte Fassadenelemente, Decken oder schwere Einrichtungen können bei einem Erdbeben gefährlich werden.
Einen vertiefenden Überblick über diese Grundlagen bietet der Quake-Pulse-Artikel zu erdbebensicheren Bauvorschriften und widerstandsfähigen Gebäuden.
Welche Rolle spielt die Schweiz bei der Erdbebenvorsorge?
Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) koordiniert verschiedene Massnahmen zur Erdbebenvorsorge.
Dazu gehören Grundlagen für die Bauplanung, Empfehlungen für bestehende Gebäude und die Vorbereitung auf mögliche Schadensereignisse.
Auch der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich übernimmt eine zentrale Aufgabe.
Er überwacht die seismische Aktivität und stellt wissenschaftliche Informationen über Erdbeben, Gefährdung und Risiko bereit.
Seit 2023 steht mit dem nationalen Erdbebenrisikomodell zudem eine umfangreiche wissenschaftliche Grundlage zur Verfügung, um mögliche Schäden besser abzuschätzen.
Was sollte man bei einem Erdbeben in der Schweiz tun?
Auch wenn schwere Erdbeben selten sind, kann eine grundlegende Vorbereitung die persönliche Sicherheit verbessern.
Das Bundesamt für Umwelt empfiehlt, während eines Erdbebens sofort Schutz zu suchen.
Wer sich innerhalb eines Gebäudes befindet, sollte sich ducken, Kopf und Nacken schützen und wenn möglich unter einem stabilen Tisch Schutz finden.
Während der stärksten Erschütterungen ist es gefährlich, überstürzt Treppen hinunterzulaufen oder das Gebäude zu verlassen.
Im Freien sollte man Abstand zu Fassaden und Gegenständen halten, die herabfallen könnten.
Nach einem starken Erdbeben sind beschädigte Gebäude vorsichtig zu beurteilen.
Mögliche Nachbeben können bereits geschwächte Konstruktionen zusätzlich belasten.
Für die langfristige Vorsorge sind ausserdem die Sicherung schwerer Möbel und die Vorbereitung von Notvorräten sinnvoll.
Im Ereignisfall gelten stets die Anweisungen der zuständigen Behörden und Einsatzkräfte.
FAQ: Häufige Fragen zum Basler Erdbeben und zur Schweiz
Wann war das grosse Erdbeben von Basel?
Das stärkste Erdbeben ereignete sich am 18. Oktober 1356 gegen 22 Uhr. Bereits im Tagesverlauf hatte es mehrere Erdstösse gegeben.
Wie stark war das Erdbeben von Basel 1356?
Der Schweizerische Erdbebendienst schätzt die Magnitude auf ungefähr 6,6. Der Wert wurde anhand historischer Berichte und wissenschaftlicher Rekonstruktionen bestimmt.
War das Erdbeben von 1356 das stärkste der Schweiz?
Ja. Es gilt als das stärkste historisch dokumentierte Erdbeben der Schweiz.
Kann es in Basel wieder ein Erdbeben der Magnitude 6,6 geben?
Ja. Ein vergleichbares Ereignis ist aus geologischer Sicht möglich. Seine Wiederkehrzeit wird langfristig auf etwa 2'000 bis 2'500 Jahre geschätzt, ohne dass daraus ein konkreter Zeitpunkt abgeleitet werden kann.
Welche Region der Schweiz hat die höchste Erdbebengefährdung?
Das Wallis weist die höchste regionale Erdbebengefährdung auf. Danach folgen Basel, Graubünden, das St. Galler Rheintal und die Zentralschweiz.
Welche Schweizer Stadt hat das höchste Erdbebenrisiko?
Nach dem nationalen Erdbebenrisikomodell besitzt Basel das höchste Erdbebenrisiko unter den Schweizer Städten. Dabei werden die Gefährdung, die Gebäude und die betroffenen Menschen berücksichtigt.
Sind moderne Schweizer Gebäude erdbebensicher?
Moderne Gebäude können nach erdbebengerechten Normen geplant werden, um vor allem das Einsturzrisiko zu reduzieren. Eine absolute Sicherheit oder vollständige Schadensfreiheit lässt sich jedoch nicht garantieren.
Kann man Erdbeben in der Schweiz vorhersagen?
Nein. Die Wissenschaft kann gefährdete Regionen identifizieren und langfristige Wahrscheinlichkeiten berechnen, aber nicht zuverlässig den genauen Zeitpunkt, Ort und die Magnitude eines zukünftigen Erdbebens vorhersagen.
Das Erdbeben von Basel bleibt eine wichtige Warnung für die Schweiz
Das Erdbeben vom 18. Oktober 1356 gehört zu den eindrucksvollsten Naturkatastrophen der Schweizer Geschichte.
Seine geschätzte Magnitude von 6,6 und die schweren Zerstörungen zeigen, dass auch Mitteleuropa von starken Erdbeben betroffen sein kann.
Heute ist die Schweiz wesentlich besser darauf vorbereitet als im Mittelalter.
Seismologische Messnetze, Gefährdungskarten, Bauvorschriften und wissenschaftliche Risikomodelle ermöglichen eine deutlich genauere Einschätzung möglicher Folgen.
Doch die moderne Infrastruktur und die hohe Bevölkerungsdichte schaffen auch neue Herausforderungen.
Das Szenario eines vergleichbaren Erdbebens in Basel macht deutlich, wie gross die Schäden trotz technischer Fortschritte ausfallen könnten.
Die entscheidende Lehre lautet deshalb: Ein seltenes Erdbeben ist nicht automatisch ein unbedeutendes Risiko.
Je besser die geologischen Gefahren verstanden werden und je konsequenter die Vorsorge umgesetzt wird, desto wirksamer lassen sich Menschen und Gebäude schützen.
Wissenschaftliche Quellen
Schweizerischer Erdbebendienst (SED), Basel 1356: https://www.seismo.ethz.ch/de/earthquake-country-switzerland/historical-earthquakes/basel-1356/
SED, Erdbebengefährdung in der Schweiz: https://www.seismo.ethz.ch/de/knowledge/faq/what-is-earthquake-hazard/
SED, Erdbeben im Jahr 2025: https://www.seismo.ethz.ch/de/news-and-services/bssed-imagewithtext/Erdbeben-im-Jahr-2025/
SED, Erdbebenrisikomodell der Schweiz: https://www.seismo.ethz.ch/de/earthquake-country-switzerland/risk/earthquake-risk-model/
Bundesamt für Umwelt (BAFU), Schutz vor Erdbeben: https://www.bafu.admin.ch/de/schutz-vor-erdbeben
Quake Pulse, Schweizer Länder- und Ortsseiten sowie wissenschaftliche Beiträge auf Grundlage internationaler Erdbebendaten.